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  Sammlung Carlo Ponti
 

 

CARLO PONTI
von Pascale et Jean-Marc Bonnard Yersin,
Musée suisse de l'appareil photographique, Vevey

Den Jahren um 1850 folgte eine Periode ergiebiger Entdeckungen unterschiedlicher Art, so auch geographischer, zu welchen der Ausbau der Eisenbahn beigetragen hat. Wissbegierige Reisende, begierig auf Romantisches, durchquerten die Welt und besuchten prestigeträchtige Orte, von wo sie Andenken zurückbringen wollten.
Italien, Wiege unserer Zivilisation, war als Touristenziel beliebt und nicht zu übersehen. Die Fotografen verstanden es, davon zu profitieren. Sie nutzten die Vorliebe für die grossen Städte und bestimmte Orte, um Ateliers einzurichten und das Bildergeschäft zu pflegen.
So liess sich auch Carlo Ponti - zwischen 1822 und 1824 in Sagno im Tessin geboren - in Venedig als Optiker und Fotograf nieder. Michele Treves erinnert an seinen Werdegang in der ”Gazzetta Uffiziale di Venezia” anlässlich der Industrieausstellung 1856 in Venedig. ”Er lebte während acht Jahren in Paris, wovon er fünf Jahre für den bekannten Cauchoix arbeitete. Dann kam er nach Venedig wo er ein kleines Geschäft einrichtete. Durch seine Ehrlichkeit, die Diskretion und die Qualität seiner Produkte gewann er rasch eine gute Kundschaft. Dies erlaubte ihm, seinen Betrieb kontinuierlich zu vergrössern und den Verkauf von astronomischen Instrumenten, Geräten für die Schiffahrt, Geodäsie und Physik zu erweitern. Er spezialisiert sich in der Herstellung fotografischer Objektive. Dies gelingt ihm so gut, dass er 1854 mit dem zweiten Preis ausgezeichnet wird.”
Ab 1854 beginnt Carlo Ponti mit dem Fotografieren von Venedig. Daraus resultiert 1855 ein Katalog mit 160 fotografischen Ansichten. ”Es ist eine Geschichte der verschiedenen Architekturstyle in dieser monumentalen Stadt,” wie er es bezeichnet. Die Arbeit wird in diesem Jahr an der Weltausstellung in Paris gezeigt und ausgezeichnet.
Carlo Ponti ist vor allem bekannt auf Grund der Aussagen seiner Mitarbeiter. Mario Zinelli beschreibt seine Tätigkeit und seine Arbeiten in ”Atti dell’Academia di Belle Arti” von Venedig. Er arbeitete unter anderem mit Domenico Bresolin, einem fähigen ”fotografischen Maler und Landschaftsfotografen” zusammen. Nach seiner Ernennung zum Professor an der ”Academia di Belle Arti” von Venedig, übergibt Bresolin sein Fotoatelier an Ponti.
Die Fotografien, die Carlo Ponti von 1854 - 1875 realisiert, sind eine Dokumentation über Norditalien, er macht ebenfalls eine Arbeit über Rom von 1860-1865. Er publiziert und verlegt ab 1857 Bilder von Carlo Naya, einem anderen berühmten venezianischen Fotografen.
Seine Berühmtheit verdankt Carlo Ponti der überraschenden Erfindung des ”Aletoscopio” im Jahre 1861, einem Betrachtungsgerät, mit dem sich die Fotografien mit einem Tag- und Nachteffekt verändern lassen. Er vermarktet das Gerät exklusiv ab 1862 und baut in den folgenden Jahren verschiedene Varianten.
Carlo Ponti wird 1866 offizieller Fotograf seiner Majestät Viktor Emmanuel II., Führer des Königreiches von Sardinien seit 1849 und als König von Italien gekrönt am 27. April 1861.
Venedig ist zu dieser Zeit unter der Herrschaft von Oesterreich, das mit Preussen im Krieg ist. Oesterreich wird in Sadowa am 3. Juli 1866 geschlagen. Am 5. Juli ersucht es um Vermittlung durch Napoleon III, mit dem Angebot der Uebergabe von Venedig. Am 3. Oktober wird Frieden geschlossen...
Der Gang der Geschichte beeinflusst die Geschäfte von Ponti nicht direkt, sie laufen glänzend. Er eröffnet ein weiteres Geschäft unter der Leitung seines Bruders Guiseppe. Der einzige Schatten in diesem Bild: Die administrative Verwirrung, die in der Zeit nach 1866 herrscht, lässt Carlo Ponti die Exklusivität von Fabrikation und Vertrieb des Aletoskops und dessen Varianten verlieren. Während der Zeit seiner Aktivitäten zwischen 1867 und 1876 versucht Carlo Ponti, dieses Privileg zurückzugewinnen.
Carlo Ponti stirbt in Venedig am 16. November 1893 vollständig erblindet. Wenn er auch sein Leben lang in Venedig gewohnt und gearbeitet hat, so hat er doch nie auf sein Schweizer Bürgerrecht verzichtet.

   
  Copyright Musée suisse de l'appareil photographique, Vevey und Datenbank Schweizerische Kulturgüter, Bern, 1996 / Letzte Aktualisierung: 08/1998